Ein Mal Entdecker

Höhlen-Panorama

Höhlen-Panorama

Ein Mal Entdecker

Auch die Provinz Gansu war früher Seidenstraße. Wir können keine 10 Km am Stück fahren ohne auf eine alte Lehmmauer, die Überreste eines Wachturms oder einer Stupa auf einem Hügel oder andere Ruinen zu stoßen. Die reiche Geschichte der Region ist allgegenwärtig und für die Bewohner alltäglich. Doch unser Visum läuft in knapp 20 Tagen aus und der Weg nach Xining, wo wir es verlängern wollen, ist noch weit und gebirgig. Wir verlassen die Seidenstraße daher und nehmen kleine Nebenstraßen in das gewaltige Qilian Gebirge, dass uns von unserem Ziel trennt.
Stetig bergan führt die Straße durch kleine Dörfer und Felder immer auf die Berge zu. Die Bauern sind jetzt alle eifrig auf den Feldern unterwegs. Seit einer Woche gibt es keinen Nachtfrost mehr und wenn in den nächsten Tagen der Schnee im Gebirge zu tauen beginnt, wird es für einige Wochen mehr als nur genug Wasser geben.
Hinter einer Kehre ragt inmitten eines Dorfes eine gewaltige Ruine hervor. Sechs Meter hohe und drei Meter dicke Mauern aus Lehm bilden mit ihren Überresten eine Anlage von ca. 150 m x 200 m Grundfläche. Das wollen wir uns doch näher ansehen! Wir fahren um den gewaltigen Komplex herum in dem bequem zwei alte Bauernhöfe Platz gefunden haben. Dann können wir unseren Augen nicht trauen: Auf der anderen Seite des Flusses in den ausgewaschenen Hang gehauen thront eine ganze Reihe Höhlen. Könnten das buddhistische Grotten sein? Wir schieben unsere Räder durch das trockene Flussbett, greifen uns Taschenlampen und Kameras und steigen den Hang empor. An einem breiten Sims über dem Fluss tuen sich gut zwei Dutzend kleine und größere Höhlen auf. Opfergaben belegen, dass wir vermutlich wirklich auf die Überreste eines buddhistischen Klosters mit Grotten gestoßen sind. Die dritte Grotte macht es dann eindeutig: Große Malereien in leuchtenden Farben bedecken die Wände!

Buddhistische Malereien in den Höhlen

Buddhistische Malereien in den Höhlen

Leider wurden sie mutwillig schwer beschädigt. Den buddhistischen Darstellungen wurden mit Messern und Spitzhacken zu leibe gerückt und allen voran die Gesichter gründlich entfernt. Eine Nebenhöhle wurde komplett geschwärzt und mit Zeitungen von 1958 tapeziert. In den restlichen Höhlen wiederholt sich das traurige Bild, doch was noch da ist, reicht um den Rest mit der Fantasie wieder zu füllen. Wir sind begeistert und fühlen uns ein wenig wie Howard Carter sich gefühlt haben muss, als er das Grab Tutenchamons gefunden hat. Zwischen den Flusskieseln und Lehmziegeln auf dem Boden finden sich überall Reste der beschädigten Malereien, alter Statuen und Reliefs. Den halben Tag erkunden wir die Anlage, die wir ganz für uns haben. Kein Vergleich zu einer noch so gut erhaltenen aber touristisch erschlossenen Anlage. Unser Nachtlager schlagen wir in direkter Nachbarschaft der Ruinen in einem kleinen trockenen Bachlauf auf.

Mittagspause!

Mittagspause!

Der erste Pass

Beflügelt vom letzten Tag starten wir am nächsten Morgen die letzte Etappe nach Sunan über unseren ersten Pass. Mehr als 30 Km kämpfen wir uns 1000 Höhenmeter nach oben, bis wir schließlich den 2900 m hohen Pass erreichen. Alles ist perfekt! Hinter grasbedeckten Hügeln, die golden in der warmen Sonne leuchten, steht der Hauptkamm des Qilian Gebirges mit seinen vergletscherten und schneebedeckten 5000ern. Schafe und Yaks weiden auf den weiten Ebenen des Talschlusses und der Himmel ist strahlend blau. Wir lehnen uns an eine Weidemauer im Gras und genießen den Anblick für einige Zeit. Das haben wir uns nach fast 1.500 Km Wüste und Kälte echt verdient! Doch noch eine weitere „Belohnung“ steht uns bevor, denn wer sich mühsam einen Pass hinauf quält, der kann danach auch die Abfahrt genießen. Bis Sunan können wir es bei 40 Km/h durch atemberaubende Landschaften Rollen lassen. Ein wirklich perfekter Tag, den wir mit einer Flasche Bier ausklingen lassen und träumen.

Überglücklich! Gleich gehts runter!

Überglücklich! Gleich gehts runter!

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